Neubau der Rotebühl-Kantine

Für den Neubau der Rotebühl-Kantine wurde ein spezielles Energiekonzept für den Speisesaal entwickelt.

Projektdaten

Auftraggeber / Bauherr Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Staatliche Vermögens- und Hochbauamt Stuttgart
Architekt Staatliches Vermögens- und Hochbauamt Stuttgart Ansprechpartner: Herr Fischer
Leistungszeit / Bauzeit 1998 - 2001
Auftragsvolumen 6,8 Mio. DM
Projektbeschreibung

Für den Neubau der Rotebühl-Kantine wurde ein spezielles Energiekonzept für den Speisesaal entwickelt.
Aufgrund der thermisch eher leichten Bauweise des Speisesaals und der recht hohen internen Lasten durch die Gäste sowie der solaren Gewinne, sieht das Konzept im Sommer die Ansaugung der Zuluft durch eine im Erdreich verlegte 75m lange Betonröhre vor. Die vorgekühlte Luft wird dann gleichmäßig in den Speisesaal eingebracht, wodurch sich während der Nutzungszeit hohe Raumlufttemperaturen vermeiden lassen.
In der Nacht erfolgt die Spülung mit kühler Nachtluft zur Regenerierung des Erdkanals und des Gebäudes.
Durch den Erdkanal wird der Komfort im Speisesaal spürbar erhöht. Wollte man diese Komfortsteigerung auf konventionellem Wege erzielen, wäre in den Sommermonaten der Einsatz einer Klimaanlage vonnöten.
Eine zusätzliche energetische Besonderheit ist die Nutzung der Abwärme des benachbarten Rechenzentrums. Wird seither die gleichmäßig über das Jahr anfallende Abwärme ungenutzt an die Außenluft abgegeben, wird diese nun unmittelbar über eine Wärmepumpe für die Energieversorgung der Kantine verwendet. Ein weiterer Aspekt des ausgearbeiteten Energiekonzepts ist der Einsatz von zahlreichen Sichtbetonflächen im Speisesaal als thermische Speichermassen. Ihr Effekt ist bekannt aus alten Schlössern und Kirchen, deren Kühle im Sommer als sehr angenehm empfunden wird: Speichermassen puffern die Wärmegewinne und reduzieren damit die Abhängigkeit der Raumlufttemperatur von hohen Umgebungstemperaturen.
Allgemein bewirkt thermische Masse ein träges Verhalten der Raumlufttemperatur bei Änderung der Energieströme in den bzw. aus dem Raum.
Innovative Gebäudetechnik muss nicht kompliziert oder aufwendig sein; viel entscheidender ist, dass Architekten und Ingenieure sich frühzeitig zusammenfinden, um in einem integrierten Planungs-prozess einfache Lösungen zu entwickeln, die zu hohem Nutzer-komfort bei geringem Energieverbrauch führen.